Geburtshaus, Frauenarzt- und
Hebammenpraxis Bühlau

Welche medizinischen Massnahmen erwarten mich oder mein Kind während der Geburt?

Prinzipiell besteht in unserer Praxis der Grundsatz, dass wir nach Möglichkeit jeden Eingriff in den naturgegebenen Geburtsverlauf vermeiden wollen. Sollte es jedoch nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung dennoch sinnvoll sein, in irgendeiner Weise in die Geburt einzugreifen, werden wir jede Massnahme vorher mit Ihnen besprechen. Das bedeutet: wir erklären Ihnen den Grund für das beabsichtigte Eingreifen, wir sagen Ihnen, was wir vorhaben und welche Wirkungen wir uns davon erhoffen, mit welchen Nachteilen Sie rechnen müssen und welche Alternativen es gibt. Sie können sich vorstellen, dass die Frauen in der oft angespannten Situation der Geburt u.U. von derartigen Erörterungen überfordert sind. Deshalb wollen wir häufige Situationen bereits vor der Geburt mit Ihnen besprechen und das beabsichtigte Verhalten klären. Sollten Sie in den angesprochen Situationen ein anderes Vorgehen wünschen, werden wir dies in der Dokumentation des Vorgesprächs entsprechend vermerken.

Überwachung des Kindes

Wir empfehlen Ihnen, dass wir während der Geburt von Zeit zu Zeit die Herztöne des Kindes mit einer Ultraschalltechnik, dem so genannten CTG, aufzeichnen. Dies erlaubt uns einen relativ zuverlässigen Rückschluss auf das Wohlbefinden Ihres Kindes. Viele Frauen wünschen, dass diese Überwachung über weite Strecken der Geburt erfolgt, andere lehnen die Technik ganz ab. Bitte besprechen Sie mit uns im Vorgespräch, welchen Umfang der Überwachung Sie sich vorstellen. Sollte es unter der Geburt einen Anlass geben, von dieser Absprache abzuweichen, können wir unser Verhalten selbstverständlich jederzeit den Erfordernissen der Situation anpassen.

Bei unkomplizierten Geburten leiten wir die kindlichen Herztöne in der Regel bei der Aufnahme zur Geburt über 15-30 Minuten und dann stündlich über 10 Minuten ab. Während der Austreibungsperiode halten wir eine kurzzeitige Ableitung nach der Wehe für etwa 1 Minute für sinnvoll.

In der medizinischen Fachwelt gehen die Auffassungen über den Wert der CTG-Überwachung weit auseinander. So gibt es Leitlinien, die eine kontinuierliche Ableitung der kindlichen Herztöne über weite Strecken der Geburt vorschreiben, obwohl sie gleichzeitig die Grenzen der Technik benennen. Wir glauben, dass der von uns vorgeschlagene Umfang ausreichend sicher und zugleich nicht unnötig belastend ist.

Wehenmittel

Wir sind sehr zurückhaltend bei der Beeinflussung der Wehentätigkeit. Wir glauben, dass jede Geburt ihren ganz eigenen Rhythmus beansprucht, zu dem auch Wehenpausen gehören können. Bei einer Wehenschwäche suchen wir nach Gründen für die Blockade des Geburtsfortschritts und versuchen sie zu beseitigen.

Schmerzmittel

Wenn die Frau entspannt und ruhig ist, sind Schmerzmittel glücklicherweise kaum notwendig. Deswegen trauen wir dem warmen Bad im Kerzenschein und der entspannenden Musik oft mehr schmerzstillende Potenz zu als verschiedenen Medikamenten. Wir haben gute Erfahrungen mit der Anwendung naturheilkundlicher Mittel, mit denen wir die meisten Probleme sehr sanft beheben können. Selbstverständlich lassen wir Sie nicht allein, wenn die Schmerzen so stark sein sollten, dass sie den Fortgang Ihrer Geburt behindern. Wir haben in dieser Situation einige schmerzstillende Methoden zur Verfügung: homöopathische und pflanzliche Präparate ebenso wie chemisch definierte Pharmaka. Eine so genannte „Periduralanaesthesie“ (PDA)ist in unserer Praxis nicht möglich.

„Flexüle“ und Infusion

Natürlich ist es uns am liebsten, wenn weder Spritze noch Tropf während der Geburt Anwendung finden. Fast immer können wir derartige Massnahmen auch umgehen. Gelegentlich brauchen wir jedoch diese Hilfsmittel, wenn

wir im Notfall Ihrem Körper ein schnell wirksames Medikament zuführen müssen,

es einen Grund geben sollte, Ihr Blut im Labor untersuchen zu lassen,

die Geburt sehr lange dauert und wir Ihren Hunger oder Durst mit einer zuckerhaltigen Infusion stillen wollen,

sich nach der Geburt die Gebärmutter nicht ausreichend zusammenzieht und dadurch ein größerer Blutverlust droht.

 Wenn absehbar ist, dass wir Sie im Verlauf der Geburt mehrmals stechen müssten, oder wenn eine Infusion angeraten erscheint, dann empfehlen wir Ihnen, dass wir eine kleine Plastikkanüle über kurze Zeit in Ihrer Vene belassen. Dies ist ungefährlich und behindert Sie kaum. Nebenwirkungen wie z.B. leichte Venenentzündungen sind extrem selten.

Kontraktionsmittel nach der Geburt

Viele Geburtshelfer befürworten eine prinzipielle Verabreichung von Medikamenten, die Nachblutungen durch unzureichende Kontraktion der Gebärmutter nach der Geburt verhindern sollen. Der Nutzen dieser prophylaktischen Massnahme wird gegenwärtig sehr kritisch diskutiert, denn offensichtlich liegen die tatsächlichen Ursachen der Nachblutungsgefahr in einer unsachgemäßen Behandlung der Gebärmutter nach der Geburt. 

Wir empfehlen Ihnen deshalb die Anwendung solcher Arzneimittel nur in den Fällen, wenn tatsächlich eine Nachblutungsgefahr besteht oder wenn wir den Eindruck haben, dass sich Ihre Gebärmutter nicht ausreichend kontrahiert. Ansonsten nutzen wir bevorzugt das „natürliche“ Wehenmittel Ihres Körpers, das beim Stillen produziert wird, oder völlig nebenwirkungsfreie naturheilkundliche Methoden, um die Kontraktion der Gebärmutter zu unterstützen. Bitte teilen Sie uns im Vorgespräch mit, wenn Sie dennoch die pauschale prophylaktische Gabe der Kontraktionsmittel wünschen.

Umgang mit dem Neugeborenen

Wir wissen, dass es in der für das Kind schwierigen Phase der Geburt entscheidend wichtig ist, dass sich das Neugeborene möglichst schnell wieder beruhigt und keine Angst hat. Dies wird am ehesten an Ihrer Brust, nahe dem vertrauten Herzschlag der Mutter der Fall sein. Dieser innige Kontakt zwischen Mutter und Kind ist eine Sternstunde Ihres Lebens. Wir wollen dabei möglichst wenig stören und Sie ganz in Ihrem Glück belassen. Das bedeutet,

dass wir das Kind - sofern nichts anderes dagegen spricht – meist erst relativ spät abnabeln - etwa wenn das Pulsieren der Nabelschnur nachlässt oder wenn die Plazenta geboren ist.

dass wir das Kind nur in extremen Ausnahmefällen und auch dann möglichst nur kurzzeitig von Ihnen wegnehmen, wenn sich dies für eine effiziente Notversorgung des Kindes nicht umgehen lässt. Generell versuchen wir, auch im Falle einer Komplikation mit dem Kind bei Ihnen zu bleiben. Wir glauben, dass das Kind in der Not die Sauerstoff spendende Ressource seiner Plazenta und den tröstenden Zuspruch seiner Eltern braucht. Das wichtigste Mitglied des Reanimationsteams sind nach unserer Überzeugung  S i e !

dass wir mit allen Dingen, die Ihr Kind beunruhigen könnten (z.B. messen, wiegen, baden) möglichst so lange warten, bis es sich von der anstrengenden Reise erholt hat.·     

Auch Sie können dazu beitragen, in dem Sie das Kind möglichst wenig - z.B. durch Blitzlicht - stören und beunruhigen.Auch Sie können dazu beitragen, in dem Sie das Kind möglichst wenig, z.B. durch Blitzlicht - stören und beunruhigen.

Augenprophylaxe

In manchen Einrichtungen wird noch immer eine aus dem letzten Jahrhundert stammende „Schutzmassnahme“ durchgeführt, mit der man eine Schmierinfektion des kindlichen Auges bei der Passage einer mit bestimmten Erregern besiedelten Scheide zu verhindern hofft. Es handelt sich dabei um eine Geschlechtskrankheit, die Gonorrhoe (Tripper), deren Erreger im Auge des Kindes schwere Infektionen auslösen können. Durch Einträufeln einer Silbernitratlösung würden solche Bakterien abgetötet.

Die medizinische Fachwelt ist derzeit uneins über den tatsächlichen Wert dieser Massnahme, die ihrerseits beim Neugeborenen eine flüchtige Bindehautreizung auslösen kann und abgesehen davon im Auge einen brennenden Schmerz verursacht. Wir schließen uns ausdrücklich den Kritikern dieser Methode an, denn die Gonorrhoe ist heute sehr selten und wird in aller Regel vom erkrankten Paar mit ihren heftigen Beschwerden bemerkt.

Alle anderen Keime sind (mit Ausnahme der nach Mutterschafts-richtlinie bereits bei Ihnen getesteten Chlamydien, gegen die diese Prophylaxe sowieso ineffektiv ist) für das kindliche Auge unschädlich.

Im Zweifelsfall können Sie Ihren Frauenarzt bitten, ob er diese Frage durch einen Abstrich klärt.

Vitamin-K-Prophylaxe

Durch die Gabe dieses Vitamins sollen Hirnblutungen beim Kind vermieden werden. Das Präparat wird als Tropfen in den Mund des Kindes verabreicht. Nachteile dieser Art der Anwendung sind uns nicht bekannt. Sollten Sie unsicher sein, empfehlen wir Ihnen, Ihren Kinderarzt um Rat zu fragen. Die Gabe des Vitamins ist in unserer Praxis gleich nach der Geburt möglich, wenn Sie dies wünschen.

Magensondierung

Seitens der Kinderchirurgie wird den Geburtshelfern empfohlen, nach der Geburt die Speiseröhre des Kindes mit einem kleinen Absauger zu sondieren. Mit dieser nicht unumstrittenen Massnahme möchte man sichergehen, dass die Speiseröhre durchgängig ist. Die Verlegung der Speiseröhre ist eine seltene Fehlbildung, die rechtzeitig erkannt und chirurgisch versorgt keine Folgen für das Kind haben wird. 

Wir sind skeptisch, ob angesichts der sehr geringen Wahrscheinlichkeit und der meist doch sehr deutlichen äußeren Anzeichen dieser Fehlbildung dieser für Ihr Kind doch recht belastende und in jedem Fall beunruhigende Eingriff ohne das Vorliegen verdächtiger Symptome gerechtfertigt ist. Sofern Sie es nicht ausdrücklich wünschen, würden wir deshalb bei einem völlig unauffälligen Kind gern auf diese Massnahme verzichten.

Nabelschnur-Arterien-pH-Wert (NApH) und Mikroblut-Untersuchung (MBU)

In den Geburtskliniken entnehmen die Hebammen nach Abnabelung des Kindes der noch in der Scheide liegenden Nabelschnur eine kleine Blutprobe und bestimmen den Säuregehalt des kindlichen Blutes zum Zeitpunkt der Geburt. Mit diesem Wert kann man im Falle einer schweren Sauerstoff-Unterversorgung des Kindes Rückschlüsse auf deren Zeitpunkt und Dauer ziehen. Für das aktuelle Verhalten bei der Erstversorgung eines in schlechtem Zustand geborenen Kindes hat dieser Wert keine Bedeutung. Hier wird anhand der konkreten Symptomatik und unabhängig vom NApH-Wert dem Kind geholfen.

Somit hat dieser Wert keinerlei unmittelbare Konsequenzen für die Behandlung Ihres Kindes, sondern dient lediglich der juristischen Dokumentation wesentlicher Geburtsparameter. Unsere Handlungen richten wir immer nach dem tatsächlichen Zustand Ihres Kindes, den wir nach dem allgemein anerkannten Bewertungsschema „APGAR-Score“ einschätzen und dokumentieren. Die Bestimmung des Nabelschnur-pH-Wertes kann in unserer Praxis nicht erfolgen und ist für die uns möglichen Erstmassnahmen auch unnötig. Die im Notfall hinzugezogenen Intensivmediziner können für ihre speziellen Behandlungsoptionen den dann aktuellen pH-Wert zu gegebener Zeit selbst bestimmen.

Eine ähnliche Methode wird in vielen Kliniken bereits während der Geburt angewandt, wenn die kindlichen Herztöne einen Notzustand erwarten lassen. Aus der Bestimmung des pH-Wertes im Blut des kindlichen Kopfes glauben die Geburtsmediziner, die richtige Strategie für die weitere Geburt ableiten zu können. Hierzu wird das in der Tiefe der Scheide sichtbare Köpfchen punktiert.

Auch diese so genannte Mikroblut-Untersuchung (MBU) ist in unserer Praxis nicht möglich und auch nicht nötig, weil wir bei jedem Verdacht auf einen kindlichen Notzustand sowieso die Verlegung in die Klinik anstreben.

B-Streptokokken

B-Streptokokken sind Bakterien, die bei sehr vielen Menschen meist symptomlos den Darm besiedeln, wo sie durch keine Therapie beseitigt werden können. Diese eigentlich harmlosen Keime werden für besonders schwer verlaufende Infektionen beim Neugeborenen verantwortlich gemacht und sind daher bei den Geburtshelfern gefürchtet.

Man hat in den letzten Jahren nach Strategien gesucht, diese fatalen Infektionen in den Griff zu bekommen. Dadurch wird heute von den Fachorganisationen eine antibiotische Abschirmung aller mit B-Streptokokken besiedelten Frauen während der Geburt und eine intensive Überwachung des Neugeborenen empfohlen. Leider werden mit diesen sehr restriktiven Leitlinien die wissenschaftlichen Erkenntnisse nur unzureichend berücksichtigt, denn nicht alle der wie gesagt sehr häufig vorkommenden B-Streptokokken sind zu derart aggressiven Infektionen des Kindes fähig – und für diese seltenen Fälle ist das empfohlene Therapieregime oft unzureichend. Das bedeutet: Die meisten der mit B-Streptokokken besiedelten Frauen werden während der Geburt unnötig mit Antibiotika behandelt, weil deren Keime nicht gefährlicher sind als andere Bakterien der Scheidenflora. Und die wenigen wirklich gefährdeten Kinder werden u.U. unzureichend betreut.

Leider sind wir bis heute nicht in der Lage, eine verlässliche Unterscheidung zwischen „gefährlichen“ und „weniger gefährlichen“ B-Streptokokken vorzunehmen. Deshalb können wir den wie gesagt wissenschaftlich unzureichenden Leitlinien bisher kein besseres Konzept entgegenstellen. Wir raten Ihnen deshalb, durch einen Abstrich in der Spätschwangerschaft feststellen zu lassen, on Ihr Darm von B-Streptokokken besiedelt ist. Das höchstwahrscheinlich negative (im Sinne von „keine B-Streptokokken) Testergebnis würde uns den Umgang mit unklaren Situationen nach der Geburt deutlich erleichtern. Und im Falle einer Besiedelung wären wir streng genommen in der gleichen Situation wie bei unbekanntem Status, denn wegen der Häufigkeit des Auftretens muss dieser als „potentiell positiv“ angesehen werden.

Der Nachweis von B-Streptokokken stellt keinesfalls automatisch eine Gefahr für Ihr Kind dar. Er sollte aber Anlass sein, über eine Antibiose während der Geburt nachzudenken und das Neugeborene besonders sorgfältig zu überwachen.

Homöopathie und Akupunktur

Unsere Hebammen verfügen über umfassende Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit der Homöopathie und der Akupunktur, die in der Geburtshilfe vielfältige Anwendungsfelder finden.

Beide Heilmethoden folgen nicht den in der Schulmedizin üblichen Ursache-Folge-Überlegungen, sondern stellen sehr komplexe Therapiekonzepte dar. Es dürfte für den medizinischen Laien daher nur schwer möglich sein, die Überlegungen der Hebammen für die Wahl und den Einsatz dieser Methoden nachzuvollziehen. Es ist deshalb denkbar, dass die Hebamme Ihnen nicht wie sonst üblich jeden ihrer gedanklichen Schritte erklären kann.

Sollten Sie gegen dieses Vorgehen oder gegen die Methoden an sich Vorbehalte haben, bitten wir Sie, dies im Vorgespräch mit uns zu besprechen.

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